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Resolution des Asylgipfels vom 28.1.2017 in Tutzing

Am letzten Samstag fand im oberbayerischen Tutzing ein Asylgipfel der Helferkreise in den Regionen München und Oberland statt. Hier wurde die folgende Resolution verabschiedet, die an Herrn Staatsminister Herrmann übergeben werden soll. FLEck e.V. unterstützt dessen Anliegen und unterschreibt zusammen mit bis jetzt über 50 anderen bayerischen Flüchtlingsinitiativen.

 

Resolution

Mit der Anweisung an die Ausländerbehörden vom 19.12.2016 (Innenministerielles Schreiben) sehen wir Helferkreise eine Grenze überschritten. Daher bringen wir uns aktiv in die Debatte um Arbeitserlaubnis und Abschiebung ein.

Als „Experten an der Basis“ wissen wir:

Arbeit für Asylbewerber
– ermöglicht den Spracherwerb sowie den Erwerb fachlicher und sozialer Kompetenzen, die auchim Heimatland genutzt werden können (indirekte Entwicklungshilfe).
– hilft, dem Tag eine Struktur zu geben
– bedeutet wirtschaftliche und persönliche Unabhängigkeit und daher mehr Würde für Menschen in ohnehin schwierigen Situationen
– impliziert eine größere Akzeptanz in der Bevölkerung
– erleichtert das friedliche Miteinander vor Ort
– fördert die Teilhabe an der Gesellschaft
– entlastet erheblich die öffentlichen Kassen und bringt Steuereinnahmen

Ein generelles Arbeitsverbot
– stellt die erfolgreiche Arbeit in den Berufsschulklassen für Asylbewerber in Frage
– wäre eine Verschwendung von Steuergeldern, da viele staatlich geförderte Maßnahmen nicht zum Tragen kommen können.
– stellt viele Arbeitgeber vor große Probleme, weil sie i.d.R. mit den Asylbewerbern gute
Erfahrungen gemacht haben, in die Einarbeitung investiert haben und kaum Ersatz finden.
– greift massiv in das Menschenrecht auf Arbeit ein.

Integrationsbereitschaft muss wirksam werden können!

Als „Experten an der Basis“ fordern wir:

1. Kein Arbeitsverbot für Asylbewerber
Dass die Arbeitserlaubnis an der Anerkennungsquote festgemacht wird (=bayerischer Sonderweg), ist völlig inakzeptabel. Anerkennungsquoten sind gegen das Menschenrecht eines jeden Einzelnen gerichtet. Im Asylrecht gilt immer der Einzelfall.
Auch abgelehnten Asylbewerber soll die bestehende Arbeitserlaubnis nicht entzogen werden.

2. Keine Restriktionen bei Bildungsangeboten und Ausbildung

3. KEINE ABSCHIEBUNG in der gegenwärtigen Situation nach Afghanistan.
Afghanistan ist nicht sicher, das bestätigt auch der neueste UNHCR-Bericht!

Anwesend: 80 Vertreter aus 53 Helferkreisen aus 11 oberbayerischen Landkreisen
Tutzing, 28.1.2017

 

Verstehen und Übersetzen: Seminar der besonderen Art

Verstehen und Übersetzen – ein besonderes Seminar mit ganz besonderen Teilnehmern und Teilnehmerinnen

Am 21. Januar 2017 trafen sich in der Alten Kanzlei der Ev. Gemeinde Eschenau Menschen mit besonderen Begabungen: alle konnten mehrere Sprachen und schon gut Deutsch und übten miteinander das Übersetzen in ’schwierigen‘ Situationen: bei Behörden, beim Arzt, wenn es um Gefühle oder um seelische Erkrankungen geht.

Wir haben Rollenspiele gemacht und viele neue Wörter spielerisch gelernt: Zeig mal in Pantomime folgende Wörter (die anderen raten): verzweifelt – einsam – mutig – stolz! Sehr zum Nachmachen empfohlen, macht viel Spaß und die Körpersprache wird aktiviert!

Wir entdeckten, wie reich jede Sprache ist, denn manches kann man nicht direkt aus einer Sprache in die andere übersetzen. Da braucht es dann Bilder, Mimik und Gesten. Wir sind mehr oder weniger kompetent in Arabisch, Umgangsdeutsch, Russisch, Fränkisch, Oromo, Beamtendeutsch, Amharisch oder medizinischer Fachsprache – oder wir werden es noch! Als es um Gefühle und schwere Erlebnisse wie Trauma ging, hatten wir Tränen in den Augen und entdeckten noch etwas Besonderes: Die Sprache des Herzens ist – auch ohne Worte – grenzenlos: wenn wir einander Mitgefühl zeigen, dann verstehen wir einander. „Verstehen ist eine Reise im Land des Anderen“, was wir entdecken, sind die Schätze der anderen Kultur. Für Interessierte: Das Seminar wird noch einmal angeboten!

Dr. Friederike Popp, Ärztin und Therapeutin, Eckental

Treffen von FiERH – Zusammenschluss der Flüchtlingsinitiativen

Die Herausforderungen in der Arbeit mit Flüchtlingen verändern sich, so stellten die Vertreter der Flüchtlingsinitiativen vom Landkreis Erlangen-Höchstadt einhellig fest. Der Zusammenschluss tagte am 23.1. im Sitzungssaal vom Rathaus Heroldsberg, um sich über aktuelle Trends, Themen und Veränderungen auszutauschen.
Während zum Beispiel vor zwei Jahren die Angebote von ehrenamtlich durchgeführten Sprachkursen für Flüchtlinge im Vordergrund standen, geht es heute um eine sinnvolle Nutzung der Bildungsangebote von staatlich geförderten Einrichtungen. Diese finden jedoch in den seltensten Fällen vor Ort statt, sondern in den Ballungsräumen wie Nürnberg, Erlangen oder Herzogenaurach. Lange Fahrtwege bis zu insgesamt drei Stunden täglich, wie von Eckental zur Berufsschule in Herzogenaurach zu Vorkursen in Deutsch, sind dabei in Kauf zu nehmen Bei vielen Bildungsangeboten müssen zudem die Flüchtlinge ihre Fahrtkosten selbst tragen, die im Vergleich zu ihrem Taschengeld enorm sind. Dank finanzieller Unterstützung der Flüchtlingsinitiativen ist die Wahrnehmung dieser Bildungsangebote manchmal überhaupt erst möglich. Auf die Anfrage bei Sozialministerin Frau Müller und bei Heimatminister Herr Söder, ob die derzeitige städtisch konzentrierte Bildungslandschaft und die damit verbundene finanzielle Benachteiligung für Flüchtlinge im ländlichen Raum gerechtfertigt ist, gibt es leider seit Mai 2016 keine Antwort.
Eine weitere große Herausforderung ist die Suche von Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge. So sind an einigen Orten die Flüchtlingsunterkünfte mit einem Drittel von Personen belegt, die sich darum bemühen endlich eigenen Wohnraum und damit Privatsphäre für sich und ihre Familien zu finden.
Herr Keßler von der Flüchtlingshilfe Heroldsberg stellte bei dem Treffen sein Konzept für die Vermittlung von Flüchtlingen in Arbeitsstellen vor. Die Integration in den Arbeitsmarkt erfordert eine intensive Begleitung durch Ehrenamtliche, von der Anerkennung der Zeugnisse aus den Heimatländern, über die Erstellung eines Lebenslaufs bis hin zur Berufsfindung und Bewerbung. Die Hilfe zur Selbstständigkeit in Deutschland erfordert jedoch die Infrastruktur von Computern, Druckern und Internet, die an vielen Orten nicht gegeben ist. So stellen Ehrenamtliche neben ihrer Zeit und Knowhow auch Arbeitsmittel und privaten Internetzugang zur Verfügung, was nicht ohne Risiken ist.
Fazit aus dem gemeinsamen Treffen der 17 Flüchtlingsinitiativen: Es gibt in der Begleitung der Geflüchteten immer noch viel für die Ehrenamtlichen zu tun, weil es viele Versorgungslücken im staatlichen System gibt. Nicht zu vergessen ist jedoch auch die Bedeutung von jeder Begegnung von Mensch zu Mensch – die kann kein System ersetzen.